MTB Beschilderungsleitfaden

Deutschland hat beste Voraussetzungen für exzellenten MTB-Tourismus: vielfältige Landschaften, einen starken Heimatmarkt und eine engagierte MTB-Szene, doch:

In Deutschland existiert (bisher) kein
national einheitliches MTB-Leitsystem

Die Schaffung eines Leitsystems, welches konsequent die spezifischen Nutzungsansprüche von Mountainbikern berücksichtigt, ist eine zentrale Aufgabe und Chance in der Entwicklung von MTB-Regionen.

Um dieses bestmöglich an die Ansprüche der Mountainbiker anzupassen und eine zu starke Regionalisierung zu vermeiden, wurde ein einheitliches MTB-Leitsystem entwickelt, welches sich auf die individuellen Anforderungen der Region anpassen lässt.

Die Erlebnisqualität und der Zugang zur Region werden dadurch um ein Vielfaches verbessert.

Mit der Schaffung des MTB-Beschilderungsleitfaden wurde der Grundstein für einen hohen Qualitätsstandard hin zu einem hochprofessionellen, kundengerechten MTB-Tourismus in ganz Deutschland geschaffen, das sich vom Layout zudem an der bereits bekannten FGSV Beschilderung orientiert und voll in diese integrieren lässt. 

Der Beschilderungsleitfaden, der pilothaft in der Region Schwäbische Alb gemeinsam mit dem Mountainbike Tourismusforum Deutschland sowie absolutGPS erarbeitet und bereits bei Projekten umgesetzt wurde, kann deutschlandweit umgesetzt werden, um sowohl eine einheitliche Beschilderungssystematik als auch eine nahtlose Verknüpfung der Strecken (auch über Kommunal- und Bundeslandgrenzen hinweg) zu gewährleisten.

  

Das Beschilderungssystem

Grundsätzliches:

  • Die Schildfarbe bzw. der Hintergrund zur Routennummer gibt eine Orientierung zur fahrtechnischen Schwierigkeit des auszuweisenden Routen und Trails – ähnlich den Schwierigkeitsausweisung auf Skipisten (FIS-System)
        
    Abstufungen:
    Farbigkeit_Schwierigkeitsstufen_2
  • Zur Unterscheidung und Vermarktung haben unsere MTB-Routen, Trails etc. "Namen", doch diese erhalten zusätzlich eine Nummerierung, welche mit der Hintergrundfarbe auch den Schwierigkeitsgrad mittransprotiert.
    Das erleichtert die Orientierung während der "rollierenden" Fahrt und die Routenführung kann so besser wahrgenommen werden, damit ein stetiger Bewegungsfluss möglich wird.
          

Wegweiser:

Mit unseren Basiswegweiser orientierst du dich primar an Abbiegungs- und Orientierungspunkten auf der Strecke. Optional können diese Markierungen auch als "Rückversicherung" etwa 50-150m nach Abbiegungspunkten angebracht werden.

Basiswegweiser

  

An stark frequentierten Standorten, potenziellen Einstiegen in das Routennetz und an zentralen Kreuzungspunkten geben dir unsere Hauptwegweiser mehr Information zum Standort und der Tour selbst. z.B. Routenname, Gesamtlänge, Höhenprofil mit Angabe verschiedener Sehenswürdigkeiten, Highlights auf der Strecke, Standortangabe (falls du nicht am Startpunkt direkt einsteigst, siehst du auf dem Höhenprofil genau, wo du dich gerade auf der Tour befindest)

Pluswegweiser

  

POI-Wegweiser weisen auf besonders attraktive Punkte im Umfeld der Route hin. Der ausgewiesene „Point of Interest“ liegt im max. Umkreis von 2 km von der Route entfernt.

POI-Wegweiser

  

Trail-Wegweiser heben besonders attraktive Streckenabschnitte – natürliche und angelegte Trails – hervor. Die Schildfarbe gibt auch hier eine Orientierung zur fahrtechnischen Schwierigkeit des auszuweisenden Trails (siehe oben).
Am Start des Trailabschnitts erfährst du mehr über den Trailcharakter, die Länge sowie die MTB-Routen (Nummer), die diesen Trail einbinden. 

Trailwegweiser_Haupt

    

Der folgende Trail-Wegweiser weist die Richtung auf dem Trail.

Trailwegweiser_Basis

   

Wegweiser innerhalb des FGSV-Radnetzes:

(FGSV = Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e. V.)

Grundsätzlich verlaufen MTB-Routen auf naturbelassen Wegen abseits der Radnetze.

Dennoch gibt es verschiedene Gründe, z.B. Einbindung von ÖPNV, Hotel und Restaurants, Innenstädten (zur Versorgung), Umfahrung von sensiblen Landschaftsabschnitten, etc. die eine Routenführung im Radwegenetz bzw. über bereits bestehende Systeme erforderlich machen und für den Gast sinnvoll sind.

Auf den Routenabschnitten, auf denen die Mountainbike-Route(n) parallel zu einem bereits ausgeshilderten Radweg bzw. im Radwegenetz verläuft, der an diesem Punkt mit einem Standard Pfeil- oder Tabellenwegweiser ausgeschildert ist, wird die Mountainbike-Route mit einer Einschubplakette ausgewiesen. Die Ausweisung erfolgt in diesem Fall analog zu der Ausweisung touristischer Themenrouten nach den Standards „Wegweisende Beschilderung für den Radverkehr in Baden-Württemberg“ (2020).

FGSV integriert

Auf Routenabschnitten, auf denen Mountainbike-Routen parallel zu einem bereits ausgeschilderten Radweg bzw. Radwegenetz verlaufen, der an diesem Punkt mit einem FGSV-Zwischenwegweiser ausgeschildert ist, wird der folgende FGSV-MTB-Zwischenwegweiser zur Ausweisung der MTB-Route verwendet. Auf die Ausweisung der Routennummer und Schwierigkeit wird zugunsten der harmonischen Integration in die Fahrradwegweisung in Baden-Württemberg verzichtet.

Wichtig -> gleiches Prinzip wie im Radwegenetz:

  • Verlaufen mehrere MTB-Routen über diesen Radweg gilt: Alle MTB-Routen folgen der Pfeilrichtung 
  • Ist kein Zwischenwegweiser angebracht gilt "geradeaus"
Zwischenwegweiser

    

An dem Punkt, an dem die bisher parallel zum Radweg verlaufende MTB-Route von diesem abzweigt,wird dies durch einen angepassten Standard Pfeilwegweiser mit MTB-Piktogramm signalisiert

FGSV_Abzweig

Sonderschilder:

Zur Förderung eines respektvollen Miteinanders auf den Wegen, werden Fußgänger und Radfahrer durch das „Trail-Tolerance“-Schild auf gegenseitig Rücksichtnahme hingewiesen.

Gemeinsam Rücksichtsvoll

Umleitungsschilder werden zur Ausweisung temporärer Umleitungen, beispielsweise aufgrund von Forstarbeiten, verwendet.

Umleitung

 

Warnschilder:

Warnschilder werden zur Signalisation von Gefahrenstellen verwendet. Dies können fahrtechnisch sehr anspruchsvolle Abfahrten mit erhöhter Verletzungsgefahr, gefährliche Kreuzungen oder temporäre Wegesperrungen sein. Warnzeichen können durch Warnhinweise in deutscher oder englischer Sprache ergänzt werden.

Warnschilder

Ein System, viele Vorteile

Die Mountainbike-Beschilderung ist nicht ausschließlich aus Sicht der Zielgruppe der Biker essenziell. Im Folgenden lassen sich aus verschiedenen Stakeholder-Perspektiven vielfältige Vorteile ablesen:

  • Aus Sicht der Mountainbiker
    • ermöglicht ein Leitsystem hauptsächlich die notwendige Orientierung und Sicherheit in meist unbekannten Landschaften.
    • ist eine einheitliche Beschilderung die zeitsparendste Variante der Orientierung.
    • gibt ein MTB-spezifisches Beschilderungssystem einen transparenten Überblick über geeignete Wege.
    • kann die Route anhand seiner individuellen Fähigkeiten gewählt werden.
    • erfolgt die Information über die Landschaft und weitere touristische Angebote.
    • wird so ein einfacher Einstieg in die Urlaubsaktivität möglich und eine Willkommenskultur gegenüber Bikern sichtbar.
    • wird der meist multisportive MTB-Gast zu weiteren Touren und Highlights in der Region inspiriert.
    • werden "kommunale Grenzen" unsichtbar. Eine permanente Umstellung auf neue Systeme entfällt.
  • Aus Sicht der Destinationen
    • stellen die Qualitätssicherung des Gästeerlebnisses, die lenkende Funktion sowie die erhöhte Sicherheit im Verkehrsgeschehen den Hauptnutzen einer MTB-Beschilderung dar.
    • bietet der Leitfaden eine einfache und kostengünstige Möglichkeit die Erlebnisqualität von Mountainbike-Gästen zu verbessern, diese für die Region zu begeistern und touristische Angebote in Wert zu setzen. 
    • wird jedes Schild durch das gleichbleibendes Layout zu einem Markenkontaktpunkt mit der Region.
    • macht es Streckenplanungen über die kommunale Grenzen hinweg einfacher, da das selbe System angewendet wird.
  • Aus Sicht anderer Naturnutzer
    • Jeder Naturnutzer trägt mit seinem Aufenthalt eine gewisse Verantwortung – die Wegweisung dient in dem Zusammenhang auch als zusätzlicher Appell für das gegenseitige, respektvolle und sichere Miteinander.
    • führt eine transparente Wegewidmung zu klaren Erwartungen bei den Nutzergruppen, besonders was Überholungs- und Begegnungsverkehre betrifft. Das in der Erfahrung sehr geringe Unfallrisiko zwischen Nutzern wird weiter minimiert.
    • hat die MTB-Beschilderung für alle Erholungssuchenden eine Hinweisfunktion (z. B. Service-Infrastruktur und ÖPNV) und kann zur Nutzung des Mountainbike-Angebotes inspirieren.
  • Aus Sicht von Naturschutz, Forst und Grundeigentümern
    • trägt die MTB-Beschilderung auf attraktiven Wegen zu einer ganzheitlichen Nutzerlenkung bei, die für den Schutz von sensiblen Gebieten und Zeiten erforderlich sein kann.
    • trägt sie ebenso zur Umweltbildung und für ein geschärftes Bewusstsein für den Raum Wald bei, indem Informationen der Konfliktprävention über die Beschilderung kommuniziert werden (z. B. Hinweise zu Geboten und Wegewidmungen).
    • ermöglicht das MTB-Leitsystem die Kennzeichnung von (temporären) Gefahrenzonen und somit die Vermeidung von Störungen und Unfällen, bspw. bei Holzarbeiten.

    

Das vorliegende Handbuch für ein routenorientiertes Mountainbike-Beschilderungssystem ...

  • ist ein Instrument, um die Qualität des Bike-Erlebnisses in Natur- und Erholungsräumen zu optimieren.
  • legt den Grundstein für eine verbesserte Orientierung und hilft durch die Schaffung eines Standards, unerwünschte Qualitätsschwankungen zu reduzieren und Risiken zu minimieren. Dies ist vor dem Hintergrund steigender Freizeitansprüche an Natur- und Erholungsräume sowie einem erhöhtem Qualitätsbewusstsein der Bikenden bedeutsam. 
  • gibt den Anwendern eine Orientierung zum aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Leitsystemen und erleichtert die Umsetzung von MTB-Beschilderungsprojekten.
  • eignet sich als Entscheidungshilfe für die Umsetzung des MTB-Leitsystems in allen Landschaftsformen.
  • liefert konkrete Informationen zu Design und Aufstellungshinweisen.
  • befähigt es Verantwortliche in der Praxis im Mountainbike-Tourismus Markierungsaufgaben kostengünstig und nutzerfreundlich zu planen und umzusetzen.
  • definiert Ziele, Aufgaben und den Anwenderkreis.
  • führt die Notwendigkeit eines einheitlichen MTB-Leitsystems aus Sicht verschiedener Anspruchsgruppen auf.
  • informiert grundlegend über die Systematik der Beschilderung und deren Einsatz.
  • erläutert die Anforderungen an Verwendung und Montage des MTB-Leitsystems.
  • setzt Impulse zu Pflegestandards und nachhaltigem Wegemanagement.

     

Dank und Kontakt für interessierte Regionen:

Allen Mitwirkenden, die bei der Erarbeitung dieses Beschilderungsleitfadens mitgearbeitet haben möchten wir unseren Dank aussprechen:

absolutGPS
Christianstr. 1, 04105 Leipzig
Anne Heidemüller, Tel.: +49 341 39281107
Mail: a.heidemueller@absolut-gps.com

Landratsamt Göppingen (Löwentrails)
Büro für Kreisentwicklung und Kommunikation
Lorcher Str. 6, 73033 Göppingen
Holger Bäuerle, Tel.: +49 7161 202-9740
Mail: h.baeuerle@lkgp.de

Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg
Dorotheenstr. 8, 70173 Stuttgart

Mountainbike Tourismusforum Deutschland e.V.
Universität Leipzig
Jahnallee 59 (Raum B105), 04109 Leipzig
Nico Graaff, Tel.: +49 341 64068690
Mail: n.graaff@mountainbike-tourismusforum.de

Pool Arbeitskreis Rad - Schwäbische Alb Tourismus e.V.
mit den Landkreisen Tuttlingen, Sigmaringen, Zollernalb, Reutlingen, Tübingen, Göppingen, Esslingen, Alb-Donau-Kreis, Heidenheim, Ostalb

Herausgeber:
Schwäbische Alb Tourismusverband e. V.
Bismarckstr. 21, 72574 Bad Urach
Ursula Teufel, Tel. 07125 93930 – 0
info@schwaebischealb.de

    

Stand: Februar 2022

MTB-Routen mit neuer MTB-Beschilderung

Der Beschilderungsleitfaden wurde pilothaft bei der Ausschilderung
der Löwentrails im Landkreis Göppingen angewendet.

Hier findet ihr die MTB-Routen und wir wünschen euch schon jede Menge Spaß auf eurer Tour.

Löwentrail "Teufelsloch-Runde" - hinauf auf Kornberg und Boßler

Rundtour | mittel

 29,71 km  2:48 h  881 m  881 m

Löwentrail "Reußenstein-Runde" - Geschichte und Natur im Einklang

Rundtour | leicht

 19,68 km  2:30 h  354 m  354 m

Löwentrail "Mordloch-Runde" - rasant hinab ins verträumte Roggental

Rundtour | mittel

 29,74 km  3:41 h  710 m  731 m