Universitätskarzer

Hier saßen sie ein, die ungehorsamen Studenten nach heimlichen Eheverlöbnissen, Saufgelagen, Schwänzen der Predigten, Verstöße gegen die Kleiderordnung, Würfelspielen und nächtlichem Randalieren! Aus Langeweile fingen sie an, die Wände zu bekritzeln, woraufhin die Universität 1736 „dagegenkritzelte”.

Um Graffiti-Bemalungen der „Incarcerierten” entgegen zu wirken, beauftragte die Universität den Maler Gottfried Schreiber, die Räume mit biblischen und antiken Bildern und Sprüchen zu bemalen. Leider können diese wie der gesamte Karzer schon lange nicht mehr besichtigt werden. Die Schäden an den Wänden und Decken waren so immens, dass man sich bis zu der Entscheidung eines weiteren Vorgehens für eine (vorübergehende) Schließung entschlossen hat.

Der Universitätskarzer mit zwei kleinen tonnengewölbten Räumen ist der älteste, noch erhaltene in Deutschland. Von 1515 bis zum Bau der Neuen Aula 1845 diente er als Gefängnis für die „cives academici”. Akademische Bürger waren nicht nur die Professoren und Studenten, auch Dienstpersonal der Professorenfamilien, Handwerker und Drucker genossen diese privilegierte Stellung, mit der die Befreiung von Zöllen und Steuern verbunden war. Aber meist saßen Studenten ein. Zuständig für Rechtsfälle der Universitätsbürger war der Senat mit dem obersten Richter, dem Rektor.

Der Karzer ist aus Denkmalschutzgründen derzeit nicht mehr zu besichtgen.

Mehr über die „dunklen” Seiten in der Tübinger Stadtgeschichte erfahren Sie auf unseren Themenführungen „Unheimliches Tübingen” und „Tübinger Justizgeschichten”, die Sie bei uns buchen können.

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