Burse

Wer vor dem mächtigen, rosa gestrichenen Fachwerkgebäude aus dem 15. Jahrhundert steht, spürt sofort, dass es sich hier um einen bedeutenden historischen Ort Tübingens handelt. Schillernde Namen und wechselnde Funktionen erlebte das Haus, in dem sich seit 1971 das Philosophische Seminar und das Kunsthistorische Institut der Universität befindet.

Die Burse wurde von 1478 bis 1482 für die Artistenfakultät der neu gegründeten Universität errichtet. Die 14–16jährigen Scholaren, die sogenannten Artisten, genossen im Haus die universitäre Grundausbildung. In den „artes liberales“ (Grammatik, Logik, Rhetorik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik) machten sie ihren Magister, der sie zum Besuch der höheren Fakultäten (Medizin, Jura und Theologie) qualifizierte.

Große Namen lehrten an der Burse: Johannes Reuchlin (1455–1522), der Humanist und Hebraist, sein Großneffe Philipp Melanchthon (1497–1560), der nach Abschluss seines Magisters bis 1518 an der Burse als Lehrer angestellt war, Wilhelm Schickard (1592–1635), Erfinder der ersten mechanischen Rechenmaschine (1623) sowie der Philosoph Ernst Bloch (1885–1977).

Eine ganz besondere Funktion aber hatte die Burse zu Beginn des 19. Jahrhunderts. 1803–05 baute der Medizinprofessor Johann Ferdinand Autenrieth das Gebäude zum ersten Universitätsklinikum mit 12 Krankenzimmern um. Am 15. September 1806 wurde hier Friedrich Hölderlin „in Cuhr genommen“ und 231 Tage vergeblich nach den damals gängigen Therapieformen behandelt.

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freier Eintritt
frei zugänglich / immer geöffnet

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