Vulkane brechen aus, Meteoriten schlagen ein

Nach 50 Millionen Jahren ist es dann endlich soweit, das Jurameer zieht sich zurück, die Alb wird zum Festland. Doch nur wenige Spuren aus dieser Zeit der Kreide und des früher Tertiärs haben sich erhalten. Der Grund dafür liegt in der starken Abtragung, die alle Zeugnisse aus dieser Zeit fast restlos beseitigte.

Randecker Maar, Fotograf Dieter Ruoff Randecker Maar, Fotograf Dieter Ruoff

„Der Schwäbische Vulkan“

Vulkanausbrüche und Erdbeben sind die spektakulärsten geologischen Erschienungen. Auch heute noch rufen sie ihre unbändige Kraft und Faszination immer wieder in Erinnerung.

Auf der Schwäbischen Alb brachen vor ca. 18 Millionen Jahren, im Tertiär, viele Vulkane aus, die noch heute im Landschaftsbild zu erkennen sind.

Rings um Kirchheim und Bad Urach verteilen sich auf einer Fläche von etwa 40 Kilometern Durchmesser rund 350 Vulkanschlote. Die größten sind der Jusi und das Randecker Maar. Man nimmt an, dass alle Vulkanschlote dieses Gebietes im Erdmantel einen gemeinsamen Herd hatten. Das basaltische Magma stieg in die zerklüftete Erdkruste auf und riss Gesteinsbrocken aus dem Grundgebirge sowie den überlagernden Schichten der Trias und des Juras mit sich. Es floss aber nie über den Rand hinaus. Beim Zusammentreffen mit dem Grundwasser im oberen Malm kam es zu gewaltigen Wasserdampfexplosionen, welche die überlagernden Schichtkomplexe wegsprengten. So entstanden riesige Sprengkessel, die sich später mit Wasser füllten und große Süßwasserseen auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb bildeten. Der bekannteste dieser Süßwasserseen ist das Randecker Maar, ein ehemaliger Vulkanschlot, heute unmittelbar am Albtrauf gelegen. Nach seiner Verlandung hinterließ er feingeschichtete Kalke mit schön erhaltenen Fossilien-Blüten und Blättern subtropischer Pflanzen, Frösche und Salamander, ja sogar Reste von Säugetieren.

Über 6 Millionen Jahre hin waren die Vulkane auf der Schwäbischen Alb aktiv. Nach klassischer Meinung ist als Folge dieses Vulkanismus noch heute die geothermische Tiefenstufe im Bereich des Kirchheim/Uracher Vulkangebiets sehr niedrig. Unter der Geothermischen Tiefenstufe versteht man den Messwert, der angibt, wie tief man bohren muss, um ein Grad Temperaturzunahme zu erhalten. Der Mittelwert liegt in Deutschland bei 33 m/1° C, bei Boll hat man dagegen in dieser Tiefe bereits 9 Grad, bei Neuffen 11 Grad mehr gemessen. Nach neueren Erkenntnissen ist die rasche Erwärmung in diesem Gebiet auf die isolierende Wirkung der mächtige Tone und Mergel des Braunen Jura zurückzuführen. Auch die Thermalquellen und kohlesäurehaltigen Mineralquellen von Bad Imnau, Bad Überkingen, Bad Ditzenbach, Bad Boll, Bad Urach, Beuren und Aalen sind wahrscheinlich eine Folgeerscheinung der vulkanischen Aktivität im Tertiär.

Das Landschaftsbild der Alb und ihres Vorlandes um Kirchheim ist deutlich geprägt durch die Vulkane des Tertiärs, wohingegen auf der Albhochfläche die einstigen Sprengkessel inzwischen größtenteils eingeebnet sind. Besonders eindrucksvoll dokumentiert das Schopflocher Torfmoor, wie ein vulkanisch entstandener Sprengkessel zu einem Süßwassersee wurde, die Verlandung einsetzte und sich schließlich ein Moor auf den wasserstauenden vulkanischen Basalten herausbildete. Es ist das einzige noch erhaltene Hochmoor auf der Schwäbischen Alb. In früheren Zeiten wurde der dort entstandene Torf sogar abgebaut.

Im Albvorland treten die Vulkanschlote als kegelförmige Berge auf. So haben zum Beispiel die Limburg, der Turmberg, die Sulzburg bei Oberlenningen, der Spitzberg und Engelberg bei Beuren, der Georgenberg bei Reutlingen, der Metzinger Weinberg sowie der Grafenberg und einige andere einen vulkanisch entstandenen Kern. Die Schlotfüllungen dieser Berge sind verwitterungsbeständiger als die umgebenden Schichten des Braunen Juras und erheben sich deshalb als flache Kegel im Vorland der Schwäbischen Alb.

Als Menschen die Schwäbische Alb besiedelten, waren die Vulkanschlote für sie von besonderer Bedeutung, denn sie fanden dort Wasser. Dieses sammelte sich auf den wasserstauenden vulkanischen Tuffen und floss nicht, wie sonst für die verkarstete Albhochfläche typisch, rasch ab. Bis heute blieben diese Standorte als Siedlungen erhalten, wie die Orte Grabenstetten, Erkenbrechtsweiler und Donnstetten zeigen. In Zainingen wurde erst vor wenigen Jahren der so entstandene Dorfweiher besonders idyllisch in das Dorfbild einbezogen.

Ein Gruß aus dem All hinterlässt seine Spuren

Es dauerte nur wenige Minuten und ereignete sich vor 15 Millionen Jahren – eine Naturkatastrophe von riesigem Ausmaß, die alles Leben im Umkreis von 500 Kilometern vernichtete. Zwei Meteoriten schlugen mit einer Geschwindigkeit von etwa 25 km in der Sekunde nur rund 40 km voneinander entfernt auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb ein. Der Einschlag des größeren Meteoriten führte zur Entstehung des bekannten Nördlinger Rieses.

Der kleinere Meteorit besaß einen Durchmesser von ca. 80 m und Hinterließ im Gebiet der heutigen Gemeinde Steinheim am Albuch einen kreisrunden Krater von 3,5 km Durchmesser. Beim Einschlag entstand ein Druck von über 100 000 Atmosphären und Temperaturen von einigen 10 000° C. Demzufolge verdampften der Meteorit und das umgebende Gestein beim Aufschlag, so dass ein Krater von rund 250 Metern Tiefe entstand.

Ähnlich wie ein Tropfen, der auf die Wasseroberfläche auftrifft, schlug der Meteorit ein. Stoßwellen breiteten sich aus, der Krater wurde ausgesprengt und dabei eine riesige Menge an Trümmermassen ausgeworfen. Dadurch bildete sich ein Randwall, und als Folge der Rückfederung stieg der heute deutlich sichtbare Kegel auf. In Sekunden wurden die Gesteine zermahlen und aufgeschmolzen – vom harten Weißjura an der Oberfläche bis tief ins Erdinnere zum Grundgebirge. Gesteinsschollen, zum Beispiel aus Weißjurakalkstein, wurden kilometerweit durch die Luft geschleudert, beim Aufprall schräggestellt, gestaucht und gefaltet. Schließlich entstand im Sprengkrater ein Süßwassersee, in dem rasch neues Leben Fuß fasste. Berühmt sind vor allem die Sande des Steinheimer Beckens mit ihren Süßwasserschnecken, man fand darin aber auch Fische, Schildkröten und Säugetiere.

Doch das Tertiär bestand nicht nur aus Katastrophen

Wer bei Heldenfingen auf einem der vielen kalkgeschotterten Feldwege wandert, stößt plötzlich am Wegrand auf einen mit unzähligen Löchern übersäten Felsen. Was ist hier passiert? Schwer vorstellbar, aber wir stehen direkt an einer alten Meeresküste: der Kliffküste des tertiären Meeres! Die Löcher sind die Arbeit emsiger Bohrmuscheln, 20 Millionen Jahre alt! Noch heute ist diese ehemalige Küste als Steilufer quer über die Alb zu sehen und trennt die nördliche „Kuppen“ – von der südlicheren „Flächenalb“.

Wir wandern auf der Sigmaringer Alb, auf einem hohlwegartig eingeschnittenen Waldweg, der gesäumt wird von Jurakalken mit Rissen und metertiefen Karstspalten, und stoßen plötzlich auf eine vom Regen ausgewaschene Gesteinsspalte mit merkwürdigen kleinen, harten „Bohnen“. Wir haben das berühmte Bohnerz gefunden. Entstanden im Tertiär, konnte es, geschützt in den Karstspalten, den Kräften der Abtragung Millionen Jahre lang bis heute trotzen. Dieses eisenhaltige Erz wurde schon zu Kelten- und Römerzeiten mancherorts zur Eisengewinnung abgebaut, vor allem auf der Ostalb. Aber auch die großen Werksandlagen der Fürstlich Hohenzollerischen Hüttenwerke im Tal der Lauchert überraschen nicht, denn sie dokumentieren noch heute die große Bedeutung des „Eisenerzes von der Alb“.

Die ebenfalls in den Spalten zu beobachtenden rotbraunen und rötlichen Tone sind Verwitterungsreste von Böden aus warmen Klimaabschnitten des Tertiärs, die, ebenfalls vor Abtragung geschützt, bis heute überdauert haben. Hinweise für deren hohes Alter liefern Reste der damals lebenden Tiere, vor allem ihre Knochen und Zähne, die gelegentlich in den Tonen gefunden werden können.

Szenenwechsel: Bei der Such nach Fossilien im Steinbruch des „Gauinger Marmors“ in der Nähe von Zwiefalten findet man Reste einer Süßwasserschnecke! Sie beweist, dass hier einst ein See lag und sich im mittleren und späten Tertiär Meeres- mit Süßwasserablagerungen zeitlich abgewechselt haben. Noch heute kann der Alb-Besucher leicht die „Tertiär-„ von der „Juralandschaft“ unterscheiden, denn den Äckern im Bereich der tertiären Ablagerungen fehlen die sog. „Scherben“, also die schwer verwitterbaren Kalksteinreste der harten Jurakalke.