Wilhelm Hauff

wurde am 29. November 1802 in Stuttgart geboren. Er besuchte ab 1817 die Blaubeurener Klosterschule und ab 1820 das Tübinger  Stift. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie lebte er zunächst als Erzieher bei einer adligen Familie und wurde schließlich Redakteur bei Cottas Morgenblatt. Literarisch beispielhaft ist sein Roman <Lichtenstein>, mit dem er den historischen Roman in Deutschland begründete. Seine Märchen aber machen ihn schon damals weithin populär. <Kalif Storch>, <Das kalte Herz>, <Zwerg Nase> - diese Titel rufen bei uns allen Erinnerungen ab. Wilhelm Hauff starb am 18.11.1827.

Märchenhaft genial

Morgenrot, leuchtest mir zum frühen Tod

Die Gedichte von Wilhelm Hauff stehen in der Bedeutung seines Werkes nicht an erster Stelle und doch leuchtet das oben genannte ahnungsvoll ganz besonders heraus. Das viel zu früh verstorbene Genie schreibt scheinbar mühelos, ihm fliegen die Stoffe einfach zu. Er verbindet Traditionelles mit aktuellen Fragen, Bildungsgut mit Satire, die Wirklichkeit mit reiner Fiktion - ein literarisches Multitalent.

Dabei kommen seine Schreibfähigkeiten nicht von ungefähr. Nach dem frühen Tod des Vaters zieht er mit seiner Mutter Wilhelmine 1809 nach Tübingen und darf dort die umfangreiche Bibliothek seines Opas als Spiel- und Lesezimmer benutzen. Er liest Schiller und Goethe, Romane, Historienbücher, Ritter- und Räuberschinken seine Phantasie ist immer auf der Suche nach neuem Lesestoff. Hier in der Haaggasse 15, im Schatten des Schlossberges, erzählt er seinen Schwestern und deren Freundinnen Geschichten, hier entsteht das Fundament für seine literarischen Leistungen. Hauff genoss als Externer das freie, ungebundene Studentenleben. In seinen Phantasien im Bremer Ratskeller erinnert er sich an seine Kindheit in diesem Haus im Zentrum Tübingens:

 Wie oft dienten deine halbverfallenen Gänge, deine Keller, dein Zwinger, deine Verliese der fröhlichen Schar zum Tummelplatz für ihre Spiele.

Hauff nutzt schon damals Mechanismen modernster Kommunikation. Er schreibt 1825 unter dem Pseudonym des Liebesromanschriftstellers H. Clauren in nur sechs Wochen den Mann im Mond und landet damit einen Riesenerfolg. Der Verlag Hauffs wird verklagt, die literarischen Querelen fördern den Verkauf aber mehr, als andere Maßnahmen es vermocht hätten. Man muss am Ende eine Geldbuße von 50 Talern bezahlen.

Der Roman Lichtenstein ist weltweit einmalig in seiner Wirkungsgeschichte. Nach dieser 1824 entstandenen literarischen Vorlage ließ Graf Wilhelm von Württemberg 1840-1841 Schloss Lichtenstein errichten. Es zählt zu den schönsten Bauwerken im romantischen Stil und ist noch heute im Besitz der herzoglichen Familie. Die Besichtigung ist ein besonderes Erlebnis für die ganze Familie: gezeigt wird z.B. der Schuss in den Ofen, das längste Sektglas der Welt, die geniale Abfallentsorgung und das nachblickende Bild.

Der Roman Lichtenstein beschreibt die Geschichte des Herzogs Ulrich von Württemberg, der sich auf der Flucht in der Nebelhöhle versteckt hielt. Eine Wanderung vom Schloss Lichtenstein zur Nebelhöhle verbindet herrliche Aussichten mit Literatur, Geschichte, Fiktion und Realität - eine Annäherung an die Weite des Lebens von Wilhelm Hauff.

WERKE

Das kalte Herz
Das Bild des Kaisers
Das Wirtshaus im Spessart
Die Geschichte vom kleinen Muck
Kalif Storch
Lichtenstein
Phantasien im Bremer Ratskeller
Zwerg Nase

Anreise: