Nikodemus Frischlin

wurde am 22. September 1547 in Balingen als Sohn eines Pastors geboren. Studium in Tübingen und dort ab 1568 außerordentlicher Professor für Poetik und Geschichte. Er war neu-lateinischer Dichter und Humanist, ein Nonkonformist, Satiriker und Querdenker - immer unbequem für seine Kollegen und den Adel. Seine Dramen bilden die Brücke zwischen Humanismus und dem höfischen Barock. Ab 1582 geht er auf Wanderschaft und emigriert 1586 aus Württemberg. 1590 wird Nikodemus Frischlin in Mainz festgenommen und stirbt am 29. November bei einem Fluchtversuch vom Gefängnis in Hohenurach.

Wetterstrahl der Wahrheit

 Und hat also sein Vaterland Balingen mit seinen Schriften und Büchern weit und breit bekannt gemacht.

Diese Aussage des zehn Jahre jüngeren Bruders Jakob Frischlin verdeutliche den familiären Stolz auf den Professor und Poeten in Tübingen, dessen Leben aber nie in der sozialen Anerkennung dieses Titels verlief.

Nikodemus Frischlin verbringt die ersten zehn Jahre seines Lebens in Balingen - in einem kleinen Krämer Häußlein auf dem Markt. Hier in unmittelbarer Nähe zur Stadtkirche erhält er die ersten Eindrücke seiner Kindheit. Die Brunnenstatue des Herzog Ulrich zeigt ihm die gute württembergische Herkunft. Die Handwerker entlang der Hauptstraße arbeiten hart, um den landwirtschaftlich dominierten Ort voranzubringen. Mit Handel können sie einen bescheidenen Reichtum erzielen. Sogar Wein wird in Balingen angebaut.

Der kleine Nikodemus hütet Schweine und erhält erste kreative Impulse beim Blick in das Atelier von Meister Joseph, dem Maler. Das Zollernschloss mit seinem höfischen Gepräge dürfte ihm eher fremd gewesen sein. Nach einem für die damalige Zeit typischen Bildungsgang mit der Lateinschule und Studium wird Frischlin schließlich in Tübingen zum außerordentlichen Professor ernannt. Eine glänzende Karriere scheint vorgezeichnet. Seine Komödien Rebecca und Susanna bringen ihm die ersehnte herzogliche Anerkennung: Er wird zum Poeta laureatus und zum Comes palatinus (Pfalzgraf) ernannt.

 Warum sollten die Schwaben
Poeten nit haben?

Ja, warum nicht? Frischlin umschreibt seine Herkunft mit dem Stolz des Erreichten. Daniel Friedrich Schubart nennt ihn einen Emder meines Geistes und skizziert gleichzeitig die Ursache seiner späteren Probleme: Die Wahrheit schien ein Schwert in Deinem Mund, ein Wetterstrahl.

Nikodemus Frischlin weigert sich in der höfischen Schwarz-Weiss-Dichterei zu schreiben. Seine Charaktere sind nicht nur gut oder böse, sondern beides. In dem Spagat zwischen Fürstenlob, Gesellschaftskritik und universitärer Konkurrenz zerreibt er sich schließlich und verlässt Württemberg. Hauptanlass dazu ist seine Rede über das Landleben, in der er die Ausbeutung der Bauern anprangert. In ganz Europa unterwegs, wird er schließlich nach Hohenurach gebracht, wo er bei einem Fluchtversuch am 29. November 1590 stirbt.

Erst im 17. Jahrhundert wird Frischlin über die Württembergischen Grenzen hinaus bekannt. Seine Dramen werden mit großem Erfolg an Universitäten, Fürstenhöfen und in Städten aufgeführt.

WERKE

Frau Wendelgard
Der verprügelte Priscian
Der wiedererstandene Julius Caesar
Die Erscheinung
Dido
Hildegardis Magna
Rebecca
Rede über das Landleben

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