MINNESÄNGER

Sie sind Vorläufer der großen Dichter - die Minnesänger. In Verbindung mit dem höfischen Leben im 12. und 13. Jahrhundert wurde die Minne - d.h. das Werben des Ritters um die geliebte Frau - im Minnesang zu einer Entwicklung, in der die Frau eine gesellschaftliche Aufwertung erfuhr. Von Frankreich herkommend (Troubadoure), breitete sich diese Kunstform rasch nach Osten aus und gab zusammen mit der höfischen Epik den abendländischen Sprachen erstmals ein lyrisches Regelwerk. Süßes Leid und leidvolle Seligkeit - der Minnesang hat auch auf der Schwäbischen Alb seine tiefen Spuren hinterlassen.

Hartmann von Aue (1165-ca.1215)

Geboren um 1165 und gestorben um 1215 - diese vagen Jahreszahlen deuten an, dass über Hartmann von Aue leider zu wenig bekannt ist. Dass er Schwabe war, steht fest. Und sein Geburtsort wahrscheinlich auch: Obernau bei Rottenburg. Einem Ministerialiengeschlecht entstammend, erhielt er eine umfassende Bildung und nahm als Schwäbischer Ritter wahrscheinlich am dritten Kreuzzug unter Friedrich I Barbarossa (Kaiser Rotbart) teil. In seiner Erzählung Der arme Heinrich beschreibt er sich selbst:

Ein ritter so geleret was,
daz er an den buochen las,
swaz er dar an geschriben vant:
der was Hartman genant,

Er bezeichnet seine Tätigkeit in der nächsten Strophe als die eines Dienstmannes von Aue. Seine lyrischen Dichtungen zwischen 1190 und 1198 huldigen der irdischen Minne, nach den Kreuzzugserlebnissen wendet er sich der himmlischen Variante zu. Dichterisch sind diese wohl die wertvolleren. Hartmann von Aue ist mehr als ein Minnesänger. Er bildet die höfische Kunstpoesie weiter, stellt mit seinen Artusromanen Erec sowie Iwein eine Idealwelt höfischen Lebens dar und macht diese an den deutschen Adelshöfen bekannt.

Heinrich VI (1165-1197)

Der Sohn Barbarossas, Heinrich VI, wurde 1189 Stellvertreter des Vaters und im Jahr darauf sein Nachfolger. 1191 ließ er sich in Rom zum Kaiser krönen. Er war damals einer der machtvollsten Herrscher in Europa. Die Gefangennahme von Richard Löwenherz und die anschließenden Verhandlungen erbrachten ihm sagenhafte 34 100 kg Silber, mit dem er seinen zweiten Italien-Feldzug und die Ausdehnung seiner Macht bis Sizilien finanzierte. Er starb 1197 bei einem Kreuzzug in Messina, wobei die Todesumstände bis heute nicht ganz geklärt sind. Seine Minneverse sind in seiner Jugend entstanden, wahrscheinlich zur Zeit des Hoffestes 1184, als er zum Ritter geschlagen wurde. In der Manesse-Handschrift (auch Große Heidelberger Liederhandschrift) ist der Sohn Barbarossas mit drei Liedern vertreten.

In dieser Hitparade des Minnesangs sind insgesamt 137 Dichter mit ihren Werken festgehalten. Zusammengestellt wurde dieses Werk um 1320 in Zürich durch den Ratsherren Rüdiger Manesse und seinen Sohn. Es gilt noch heute als eines der schönsten Bücher der Welt und wird von der Universitätsbibliothek Heidelberg als wertvoller Schatz aufbewahrt. Auf über 400 Pergamentblättern sind die Lieder der Sänger aufgeschrieben und mit einer typischen Szene bzw. Lebenssituation des Dichters verziert. Bei der Reihenfolge der Künstler wurde auf die damaligen Standesunterschiede geachtet. So steht Kaiser Heinrich VI an erster Stelle, gefolgt von Fürsten, Grafen sowie Freiherren und zuletzt werden die Geistlichen, Gelehrten und Spielleute aufgeführt.

Auch der Urenkel von Heinrich VI war ein bedeutender Minnesänger: Konradin der Junge lebte von 1252 bis 1268 und ist mit zwei Liedern in der Manesse vertreten. Er war der letzte Staufer sowie Herzog von Schwaben und König von Jerusalem und Sizilien. Erst 16-jährig wurde er am 29.10.1268 auf dem Marktplatz in Neapel von seinen Gegnern hingerichtet. Die letzten Worte richtete er an seine Mutter: <Oh Mutter, welches Leiden bereite ich dir!>

Gottfried von Neuffen (ca. 1212-1262)

Weithin sichtbar thront die größte Burgruine der Schwäbischen Alb, der Hohenneuffen, vor dem Albtrauf. Erbaut wurde diese Höhenburg um 1100 durch die Grafen von Sulmetingen, die sich danach von Neuffen nannten. Mehrere Mitglieder dieses Geschlechts bekleideten hohe Ämter und Vertrauensstellungen bei den späteren Stauferkönigen. Gottfried von Neuffen ist der wohl bedeutendste Sohn seines Geschlechtes. In der Manesse steht er an 17. Stelle. Von seinen Werken sind dort 51 Lieder aufgeführt. Hier ein typisches Beispiel seines Frauenlobs:

Solde ich da von fröide lazen sit daz mich
 diu weit an fröiden wil vergan?
Nein, ich wil mich sorgen mazen
Dur die liehen der ich her gedienet han.
Sie hat mangd wibes giiete
Siest gelich des meien blüete
Swie diu here min gemüete
Lat so lange in senden sorgen stan.
Sollt ich da der Freud entsagen, weil die
Welt mich will an Freuden übergahn?
Ich will nicht mehr Trübsal tragen
Um der Liebsten willen, der ich dienet han.
Sie hat so viel Frauengüte, sie ist wie des Maien Blüte,
wenn die Stolze mein Gemüte auch
so lang in Sehnsucht lasset stahn.

Nach der Niederlage seines Vaters gegen Kaiser Friedrich II. führte Gottfried ein zurückgezogenes Leben.

Albrecht von Hohenberg (ca. 1235-1298)

Auf Platz 18 in der Manesse-Handschrift ist eine Kampfsituation (Schlacht bei Leinstetten) abgebildet mit der Überschrift Graf Albrecht von Heigerloch sowie ein Lied von ihm überliefert. Das Hofleben des Grafen spielte sich damals auf der Burg Haigerloch (Vorläufer des heutigen Schlosses) und auf der Burg Alt-Rottenburg (Weilerburg) ab, während von seinen jüngeren Brüdern einer auf Hohennagold und einer auf der Stammburg Oberhohenberg bei Schömberg-Schörzingen seinen Sitz hatte.

Das Minnelied des Grafen in der Handschrift besingt die Treue in der offiziell anerkannten Liebe, also in der Ehe. Diese Liebe - so rühmt der Sänger - braucht keine üble Nachrede zu fürchten. Auch wenn wie bei Kindern Verbotenes stärker reizt und immer neue Begierden erwachen, gibt es nichts Besseres in der Liebe als die Beständigkeit.

Graf Albrecht von Hohenberg selbst stand treu zu seinem König und unterstützte ihn nach besten Kräften. Er starb am 17. April 1298 bei der Schlacht gegen Herzog Otto von Niederbayern. Die Stammburg des Grafen stand bis zum 15. Jahrhundert auf dem Oberhohenberg bei Schömberg, wo heure ein Kreuz bei der ehemaligen Nikolauskapelle auch an den Minnesänger Albrecht erinnert. Vom Wanderparkplatz Oberhohenberg aus bietet eine Rundwanderung über den Oberhohenberg, den Lemberg und die Wallfahrtskapelle schönste Aussichten.

Friedrich von Hausen (ca. 1150-1190)

Min herze und min lip diu wellent scheiden,
diu mit ein ander varnt nu mange zit.
der lip wil gerne vehten an die heiden:
so hat iedocb daz herze erwelt ein wip
vor al der werlt. daz müet mich iemer sit,
daz si ein ander niene volgent beide.
mir habent diu ougen vil getan ze leide.
got eine müeze scheiden noch den strit:

Die Übersetzung dieses Liedes verdeutlicht das gesellschaftliche Spannungsfeld der Minne: Mein Herz und mein Leib, die wollen sich trennen, die jetzt schon lange Zeit miteinander wandern. Der Leib will gerne gegen die Heiden kämpfen, das Herz dagegen hat  eine Frau erwählt vor aller Welt. Seither bereitet es mir ständig Kummer; dass eins dem anderen nicht folgen will Mir haben meine Augen großes Leid zugefügt. Gott alleine könnte den Streit noch schlichten.

Friedrich von Hausen war ein bedeutender Berater des staufischen Hofes und ein Vertrauter von Kaiser Friedrich Barbarossa. Er starb 1190 während eines Kreuzzuges. Seiner Herkunft nach kam er aus der Gegend um Hausen im Tal. Die oberhalb des Ortes gelegene Ruine war die Stammburg seiner Vorfahren und bietet damals wie heue eine wunderschöne Aussicht.

Hugo von Werenwag (1258-1279)

Das Schloss Werenwag im Donautal gehört zu den bedeutendsten, historischen Stätten in dieser Region. Schon von weitem ist es hoch oberhalb von Langenbronn auf einem Felsvorsprung über dem nördlichen Flussufer der Donau zu erkennen.

Die Herren von Werenwag werden erstmals im 13. Jahrhundert als Ministeriale der Grafen von Hohenberg erwähnt. Berühmtester Spross dieser Familie ist der Minnesänger Hugo von Werenwag, von dem fünf Lieder in der Manessischen Handschrift enthalten sind.

Das Schloss mit seinen typischen Buckelquadern ist heute im Besitz der Fürsten zu Fürstenberg und leider nur von weitem zu besichtigen. Das Wahrzeichen über dem Donaudurchbruch wird aber so zu einem romantischen (Minne-) Begleiter bei Wanderungen im Naturpark Obere Donau. Herausragend ist hierbei das Teilstück zwischen Mühlheim und Sigmaringen, dem eigentlichen Donaudurchbruch durch die Schwäbische Alb. Dieses Tal, in vielen Windungen wie ein Canyon in das Kalkgebirge der Schwäbischen Alb eingebettet, zählt zu den schönsten und romantischsten Flusslandschaften Europas. Die Felswände ragen wie überdimensionierte Zähne aus der Flusslandschaft heraus. Bedeutende Kulturstätten wie Fridingen, Beuron oder Sigmaringen, mittelalterliche Burgen und Schlösser wie Wildenstein und Werenwag sowie eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt machen diese einmalige Landschaft zu einem Paradies für Wanderer und Kulturinteressierte.