Justinius Kerner

wurde am 18. September 1786 in Ludwigsburg geboren. Nach dem Besuch der Lateinschulen in Ludwigsburg, Maulbronn und Knittlingen absolvierte er eine Lehre als Kaufmann, danach studierte er Medizin in Tübingen (1804-1808) und praktizierte ab 1810 in mehreren Orten Württembergs. Kerner ist ein zentraler Interpret der Schwäbischen Romantik, sein lyrisches Schaffen macht ihn weithin bekannt. Dabei entwickelt er sein Talent gekonnt aus der Balance von Arzt und Schriftsteller. Zusammen mit Uhland und Schwab editierte er zahlreiche Lyrikbände. Kerner starb am 21. Februar 1862 in Weinsberg.

Preisend mit viel schönen Reden

Es treffen sich selbst preisend mit viel schönen Reden die Herren von Sachsen, Bayern und dem Rhein einst zu Worms im Kaisersaal, um die anderen mit ihren Reichtümern zu beeindrucken. Am Ende spricht Eberhard, der mit dem Barte von Württemberg:

…Mein Land hat kleine Städte,
Trägt nicht Berge silberschwer;
Doch ein Kleinod hält‘s verborgen:
Daß in Wäldern, noch so groß.
Ich mein Haupt kann kühnlich legen
jedem Untertan in Schoß.

Und es rief der Herr von Sachsen,
Der von Bayern, der vom Rhein:
Graf im Bart! Ihr seid der reichste,
Euer Land trägt Edelstein!

Kerner verkörperte den Geist der schwäbischen Romantik wie kein zweiter: Das Volkslied, Legenden, Märchen, Übersinnliches, Mittelalterkunst und die Geschichte der unmittelbaren Heimat, all dies begeisterte ihn. Viele seiner Gedichte wurden zu Liedern vertont, das bekannteste ist Der reichste Fürst, mittlerweile von vielen zur Schwabenhymne erkoren.

Viele Menschen fühlten sich von Jusrinus Kerner angezogen, fühlten sich wohl bei ihm, denn wo immer er mit seiner geliebten Frau Friederike (Rikele) lebte, gab es gesellige Runden und Gastfreundschaft. Herzenswärme, Freundestreue, launige Gesprächigkeit, blühende Fantasie, lyrische Zartheit und Neigung zu Witz, Wortspiel, Satire und Humor - das sind die Eigenschaften von Kerner, der schon 1826 seine erste Gesamtausgabe veröffentlicht, die bis 1854 fünf Auflagen erlebt.

In seinem Gedicht Geiger zu Gmünd erzählt Kerner die Geschichte eines Geigers, der zu Unrecht des Diebstahls verdächtigt und von der heiligen Cäcilia gerettet wird. Am Ende erklärt uns das Gedicht, warum es von da an in Schwäbisch Gmünd immer fröhlich zugehe:

Seitdem wird zu Gmünd empfangen
Liebreich jedes Geigerlein,
Kommt es noch so arm gegangen
Und es muß getanzet sein.

 Drum auch hört man geigen, singen,
Tanzen dort ohn ' Unterlaß,
Und wenn alle Saiten springen,
Klingt noch mit dem leeren Glas.

 Und wenn bald ringsum verhallen
Becherklingeln, Tanz und Sang,
Wird zu Gmünd noch immer schallen
Selbst aus Trümmern lust'ger Klang.

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