Johannes R. Becher

wurde am 22. Mai 1891 in München geboren. Nach dem Studium der Philologie, Philosophie und Medizin wird er Mitglied der kommunistischen Partei und postuliert in seinem 1926 erschienenen Lyrikband die Notwendigkeit eines revolutionären Kampfes. 1933 emigriert er nach Prag und Paris und bleibt schließlich in Moskau. Ab 1935 wird er Chefredakteur der deutschen Exilzeitschrift <Inter­nationale Literatur - Deutsche Blätter>. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges ist er ein aktives Mitglied der SED und wird erster Kulturminister der ehemaligen DDR. Johannes R. Becher starb am 11. Oktober 1958 in Berlin.

Der Rote Winkel in Bad Urach

Im Ermstal von Bad Urach aus in Richtung Seeburg bzw. Münsingen wandernd kommt man zum Schorrenfelsen. Hier unterhalb, in der ehemaligen Raichle Siedlung liegt der Rote Winkel, in dem in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts eine sozialistische Literaten- bzw. Denkerkolonie nach neuen Zielen suchte. Gegründet von dem Kunstschmied Karl Raichle, wollen die hier lebenden Dichter, Denker und die zahlreichen Besucher den Unruhen bzw. Unsicherheiten nach dem Ende des ersten Weltkrieges ein verändertes, menschlicheres Antlitz geben. Anarchisten, Bohemiens, Weltenbummler, Sozialisten, Kommunisten - diese bunt zusammengewürfelten Mitglieder hatten alle etwas zu sagen - eine Modeformulierung von damals.

Johannes R. Becher kommt 1919 als bettelarmer Dichter nach Bad Urach und versteht sich mit Karl Raichle auf Anhieb. Er ist einer der Hauptvertreter des späten literarischen Expressionismus - seine Hymnen sind schwärmerisch suchend. Das Ermstal und das kleine Backstein-Künstlerhäuschen werden ihm schnell zur Heimat. In dem Gedichtband Um Gott (1921) wird dies in Worte gefasst:

In südlichen Duft-Lüften durfte
ich wieder ausruhen, Süß gestillt
Zum Fest der Laubhütten
Auf den Hügeln der Kanaan-Traube

Die Wohngemeinschaft an der Erms blüht rasch im doppelten Sinne. Obst und Gemüse werden im eigenen Garten angebaut, Forellen kommen aus der Erms. Niemand muss hungern in dieser schwierigen Zeit und an Wochenenden kommen Besucher von überall her. Paddeln in der Erms, wandern, meditieren, Waldläufe, diskutieren und ausruhen - an Wochenenden wächst die Kommune oft auf über 100 Mitglieder an.

Die Individualität und Vielfalt der Lebensentwürfe wandelt sich hin zum rigiden Sowjetismus, die Kolonie wird zu einer Art kommunistischem Ferienheim. Johannes R. Becher ist einer der Begründer dieses Kurses und wird später den Text zur Nationalhymne der ehemaligen DDR schreiben. Vom Exil aus schwingt bei ihm die Erinnerung an Bad Urach so:

Die Rauhe Alb. Von Höhen rings umfangen
Und zu den Höhen wie im Traumverlangen
Aufblickend: Urach …
Apfelbäume blühn,
Und tief verneigen sich die Blütenzweige,
Ein Holzfuhrwerk zieht hoch die Ulmer Steige,
Die Burgruine - Fels im Hügelgrün.

 
Ihr könnt den Weg nach Urach nicht verfehlen,
Laßt euch vom Haus am Grünen Weg erzählen,
Von einem Menschlichsein…
Drum kehrt dort ein
und blickt empor zu hohen Felsenwarten.

WERKE

Abschied
Dank an Stalingrad
Der einzig gerechte Krieg
Der große Plan
Der Leichnam auf dem Thron
Erziehung zur Freiheit
Lob des Schwabenlandes
Macht der Poesie

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