Johann Ch. Blumhardt

wurde am 16. Juli 1805 in Stuttgart geboren. Aufgewachsen in der Tradition des württembergischen Pietismus studiert er in Tübingen Theologie. Nach einer Vikarstelle in Dürrmenz 1829 unterrichtet er von 1830-1837 angehende Missionare in Basel. Mit seiner Pfarrstelle in Möttlingen beginnt seine Entwicklung hin zum ganzheitlichen Seelsorger. 1852 erwirbt er mit Hilfe wohlhabender Freunde das Heilbad Bad Boll und legt zusammen mit seinem Sohn Johann das Fundament für eine langfristig erfolgreiche, bis heute andauernde Entwicklung des Heilbades. Er starb am 25. Februar 1880 in Bad Boll.

Grundlagen durch den Vater

Warten und Pressieren

Die Balance zwischen diesen beiden Polen zu finden, dies war das Lebensmotto von Johann Christoph Blumhardt, dem Älteren. Nachdem er sich in seinen Möglichkeiten als ganzheitlicher Seelsorger in Möttlingen beschränkt sieht, reift in ihm der Entschluss, das Pfarramt aufzugeben und die Verbindung aus Seelsorger und Arzt weiter zu betreiben. Er sucht ein großes Gebäude mit einer angeschlossenen Kirche.

1851 höre er erstmals von einem großen Bau irgendwo hinter Kirchheim. Herzogin Henriette, die in Kirchheim wohnende Witwe von Herzog Ludwig, empfiehlt ihm Bad Boll. Da die Besucherzahlen ausbleiben, ist der Staat daran interessiert, das unrentable Bad loszuwerden. Nach anfänglich geforderten 90 000 Gulden ersteigert Blumhardt das Kurhaus für 25 000 Gulden und zieht mit seiner Familie am 3. Juli 1851 nach Bad Boll um.

Nach Blumhardt liege die Ursache jeder Krankheit auch in dem Verhältnis zu Gott begründet. Mit einem Ausgleich dieses Elementes und der Anwendung der ganz natürlichen Elemente in Bad Boll gelingen Blumhardt für die damalige Zeit ungewöhnliche Heilungen. Sein Wirken gewinnt somit weltweit mehr und mehr Anhänger. Er ist vor allem auch ein bedeutender Briefschreiber und viel gefragter Briefseelsorger, der die Anfragen gar nicht alle beantworten kann.

Vorwärts durch den Sohn

Der Sohn Christoph Blumhardt (1842-1919) führt das Werk seines Vaters fort. Er studiert Theologie und wird ab 1869 Gehilfe in Bad Ball. Er erkennt, dass die gesellschaftlichen Strukturen gerechter werden müssen. Das Kommunistische Manifest und Franz Mehrings Geschichte der deutschen Sozialdemokratie sind die Grundlagen für den von ihm begründeten religiösen Sozialismus. Sein Wirken spannt den Bogen von der Kirche zum politischen Engagement, seine Worte sind unmissverständlich und klar:

Das Himmelreich kommt von unten her.
Hinein in die Welt, da ist Christus.
…vorwärts muß es, bis die ganze Welt kracht…

Die sozialdemokratische Zeitung Vorwärts behandelte ursprünglich auch religiös-soziale Aspekte, deren politische Umsetzung in einer schwierigen Übergangszeit durch Christoph Blumhardt im württembergischen Parlament als SPD Abgeordneter weiter betrieben wurde.

Bad Boll hat bis 1900 konstant hohe Besucherzahlen, auch der Sohn wird als Seelsorger und helfender Fürsprecher geschätzt. Christoph Blumhardt starb am 2. August 1919 in Bad Boll.

WERKE

Die Bergpredigt Jesu
Krankheitsgeschichte der Gottliebin Dittus in Möttlingen
Handbuch der Missionsgeschichte
Handbüchlein der Weltgeschichte
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