Lonetal - Auf den Spuren der Eiszeit

September 2017 

Drei Höhlen im Lonetal mit darin entdeckten Zeugnissen frühester menschlicher Kultur gehören seit Juli zum Weltkulturerbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“.

Nicht nur für historisch Interessierte, sondern auch für Wanderer, Radfahrer und Naturgenießer bietet das beschauliche Tal viele Reize.

Vogelherdhöhle im Archäopark Vogelherd Vogelherdhöhle im Archäopark Vogelherd

Für die frühen Menschen, die vor vielen tausend Jahren im Lonetal lebten, war der damals noch mächtige Fluss überlebenswichtig. Heute spielt die Lone zwar eine untergeordnete Rolle, dennoch ist sie aktuell einer der bekanntesten deutschen Flüsse überhaupt: Im Juli wurden die Eiszeithöhlen im Ach- und Lonetal zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Kein Wunder – die in den einstigen Wohnstätten der eiszeitlichen Jäger und Sammler gefundenen Schnitzereien zählen zu den ältesten und faszinierendsten Zeugnissen menschlicher Kultur.

Drei dieser Höhlen, die Vogelherdhöhle, der Hohlenstein und die Bocksteinhöhle liegen im Lonetal auf nur wenige Kilometer verteilt ideal für einen Ausflug auf den Spuren unserer Vorfahren. Wer im Archäopark mit der Besichtigung der Vogelherdhöhle startet – dem Ausgangspunkt der so rasant gestiegenen Aufmerksamkeit –, kann sich in diesem spannend gestalteten Erlebniszentrum auf das Eiszeitthema einstimmen. Der Startpunkt ist über die Ausfahrten 117 (Giengen) und 118 (Niederstotzingen) der A 7 gut zu erreichen.

Das Lonetal erstreckt sich von Urspring bis Hürben über rund 30 Kilometer, zwischen Vogelherd und Bockstein ist es bequem auf dem ausgeschilderten Neandertalerweg (12 km) zu begehen, lediglich der kurze Anstieg zur Bocksteinhöhle erfordert etwas sicheren Tritt und ein wenig Profil unter den Sohlen.

Bis dahin können Naturgenießer sich aber an der Stille des Tals laben. Rotmilane ziehen im Aufwind ihre Kreise, in einem wieder aufgelichteten Hutewald weidet eine kleine Ziegenherde.

Dank spannender Architektur fügt sich auch der Archäopark Vogelherd wie eine breite, halbkreisförmige Höhle in die Landschaft ein. Hinter der Glasfront des Besucherzentrums gibt es neben fundierten Informationen zwei Originalfunde aus der Vogelherdhöhle zu sehen. Wer die Stimmung in der Schatzkammer und den Zauber des 40.000 Jahre alten kleinen Elfenbein-Mammuts, das als einziges Kunstwerk vollständig erhalten blieb, in sich aufnimmt, ist nicht nur mental gerüstet für die bevorstehende Wanderung im Tal.

Fast schon Pflicht ist danach der Weg hinauf zur Vogelherdhöhle. 1931 von Heimatforscher Hermann Mohn entdeckt, führte die Höhle nach ersten spektakulären Funden zunächst eine Art Schattendasein: Von der Wissenschaft zwar geschätzt, war sie der Öffentlichkeit eher lokal bekannt. Erst mit den ab 2006 folgenden Ausgrabungen der Uni Tübingen und dem sensationellen Fund des Elfenbein-Mammuts, das sich stilsicher zum bereits 1931 ausgegrabenen Vogelherdpferdchen gesellte, rückte der Vogelherd in den internationalen Fokus.

Rund Zwei Kilometer weiter süd-westlich liegt fast auf Höhe der Talsohle der Hohlenstein. Der dreigeteilte Höhlenkomplex aus Stadel, Scheuer und Bärenhöhle bot mit die reichsten Funde im Lonetal aus der Zeit der Neandertaler bis hinein ins Mittelalter. So wurden im Stadel die Fragmente des berühmten Löwenmenschen gefunden. Aus dem Hohlenstein stammt außerdem der einzige gesicherte Fund eines Neandertalerknochens in Baden-Württemberg.

Wenige Kilometer weiter westlich bietet heute die Bocksteinhöhle einen Blick über das von Wald eingerahmte Tal. Bereits zur Zeit der Neandertaler besiedelt, fanden Archäologen hier typische Geschossspitzen und Knochenreste von Mammut oder Wildpferd.

Wer es nicht besonders bequem braucht, kann auf den Felsen in der Bocksteinhöhle rasten und sich für einige Augenblicke wie einer der früheren Bewohner fühlen. Mehr Komfort bieten freilich der Archäopark und die beliebte Ausflugsgaststätte in Lindenau mit ihren Erfrischungen.

Wem die zwölf Kilometer lange Wanderung zu beschwerlich erscheint, kann sich auch mit dem Rad auf dem Lonetal-Radweg auf den Weg machen. Nur der Anstieg zur Bocksteinhöhle ist dann noch zu Fuß zu meistern und für die Einkehr in Lindenau muss man ebenfalls etwas kräftiger in die Pedale treten. Dafür ist dann noch locker ein Abstecher talabwärts zur HöhlenErlebnisWelt in Hürben drin. Außerhalb des Welterbegebiets gelegen bietet die Charlottenhöhle als Tropfsteinhöhle mit Erlebnisplätzen ein spannendes Geologieabenteuer.

Infoblock:

Neandertalerweg im Lonetal

12 km Rundweg

Start am Archäopark Vogelherd oder Lonetal-Parkplatz zw. Bissingen und Stetten

Verlauf: Achäopark Vogelherd – Lonetal-Parkplatz, Hohlenstein, Bockstein, Abstecher Lindenau, Stetten, Archäopark

Infos zum Neandertalerweg und weiteren Rad- und Wanderwegen gibt es unter www.heidenheimer-brenzregion.de. Informationsbroschüren können beim Landratsamt Heidenheim unter Tel. 07321 321 2593 angefordert werden.

Weitere Informationen zu den einzigartigen Funden und den außergewöhnlichen Fundorten gibt es unter www.welt-kultursprung.de.

Bildunterschriften:

Bild 1: Im Archäopark Vogelherd ist das 2006 entdeckte Mammut im Original zu sehen.
Bild 2: Die Vogelherdhöhle im Lonetal ist Teil des UNESCO-Welterbes „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“.

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